Depressiv, ein Haus voller Waffen, keine Perspektive (und Counterstrike)

März 12th, 2009 | Kategorien: Real Life, Spiele | Tags: , ,

usk18Ich gehe mal davon aus, dass jeder von dem Desaster in Winnenden gehört hat.

Mich hat die Geschichte mit ihren Wasserstandsmeldungen (2 Tote, 6 Tote, 9 Tote …) hauptsächlich im Radio begleitet. Ein bisschen ein mulmiges Gefühl hat man da schon, besonders wenn man Menschen liebgewonnen hat, die es sich verschrieben haben mal im schulischen Umfeld zu arbeiten.

Was mich aber, neben der grausigen Tag ansich, mal wieder tierisch aufregt, ist dass ich unsere Zivildienst-interne Wette “Wann bringen sie Counterstrike damit in Verbindung?” innerhalb von wenigen Stunden gewonnen hätte. Auf Radio Hamburg zumindestens hat man prompt ein Interview mit einem Jugendlichen gesendet der ihn kannte. Beziehungsweise einen Ausschnitt davon. Ich habe keine Ahnung wie lang das originale Interview war, aber der Ausschnitt hatte ~ 30 Sekunden und enthielt primär die Aussage “Ja, der hat Counterstrike gespielt”. Gefolgt von einem Kommentar der Moderatoren, dass sie noch einen Medienexperten in der Leitung hätten, der die Auswirkung von Computerspielen auf Jugendliche genau kennt und für den der Amoklauf keine Überraschung ist.

Wir haben da also einen (anscheinend) depressiven Jungen, der eine Therapie abgebrochen hat. Der mit seinem Leben nicht richtig zurecht kam und nach der Schule keine Perspektive für sich fand. Der in einem Haus mit 17 Schusswaffen lebte. Nur ein Idiot würde nicht sehen, dass Counterstrike einen wichtigen Part in dem Drama spielt.

Ich bin dann wohl so ein Idiot *sigh*

Update: Genau solche Reaktionen sind doch echt zum Mäusemelken … Wie wärs stattdessen mal mit einer besseren Förderung für Jugendliche oder individuellen Hilfsmaßnahmen? Aber das kostet im Gegensatz zu so einem Verbot ja Geld und erfordert sorgfältige Planung sowie ausgebildete Fachkräfte. Ausserdem kann man sich mit solchen “komplizierten” Konzepten ja nicht als der Heilsbringer mit dem Mittel gegen solche Vorfälle darstellen. Und jeder Funke Mitleid gegenüber einem Amokläufer ist ja sowieso unangebracht … Aber mein Dank an Georg Schmidt (CSU oO) und Rosemarie Hein (Die Linke) die öffentlich kundtun, dass sie den großteil der Verantwortung bei den Eltern sehen.

Und ich frage mich gerade ob er auch Amok gelaufen wäre, wenn im Haus keine Waffen zugänglich gewesen wären… Aber auf so ein “was wäre wenn” Gerede lass ich mich dann doch lieber nicht zu weit ein. Das ist nur frustrierend und führt am Ende dann doch zu nix.

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