Microsoft traut sich einfach nicht

November 1st, 2007 | Kategorien: Microsoft | Tags:

Windows wird gewisse Altlasten nicht los. Wer sich ein wenig mit Softwareentwicklung auskennt, findet die Gründe ohne Frage nachvollziehbar.

Windows ist nicht aufgrund seiner Qualität erfolgreich (wo und ob man die findet mag jeder für sich selbst entscheiden, ich bin mit Windows total zufrieden!). Zumindest nicht mehr heutzutage. Windows ist schlichtweg erfolgreich, weil es die absolute Monopolstellung innehat. Würde jegliche Software auf jeglichem Betriebssystem laufen, gäbe es mit Sicherheit deutlich weniger Windowssysteme. Und sei es nur um Lizenzkosten zu sparen.

Dem ist aber nicht so. Windows ist erfolgreich weil verdammt viele Programme es vorraussetzen. Simple as that.

Das bringt für die Entwickler aber auch gewisse Verantwortlichkeiten mit sich. Unter jeder neuen Windowsversion muss die Software der Vorversion möglichst fehlerfrei funktionieren. Sonst würde einer der primären Gründe, Windows als Betriebssystem einzusetzen, schlichtweg wegfallen.

Golem.de berichtet nun ebenfalls über diese Schwierigkeiten. Ein wirklicher Neuanfang ist für Windows nicht ohne weiteres möglich. Der Artikel (bzw. die Quelle), führt unter anderem folgendes Problem als Beispiel an:

Während der Entwicklung an Windows Vista wurden etwa die Audio-Treiber von Windows NT 4 ausgemustert und waren somit im Windows-XP-Nachfolger nicht mehr zu finden. Diese Änderung wurde vor dem Erscheinen der Beta 2 von Windows Vista vorgenommen. Kurz nach der Veröffentlichung der Beta 2 meldeten sich prompt Unternehmenskunden, dass ihre Call-Center-Software nun nicht mehr arbeite. Wie Microsoft herausfand, verwendet die betreffende Software diese kaum genutzte und seit 1998 nicht mehr unterstützte Audio-Funktion aus Zeiten von Windows NT 4.

Der Hersteller der Call-Center-Software war bereits pleite gegangen, so dass diese Microsoft-Kunden keine Möglichkeit gehabt hätten, ihr Produkt zu aktualisieren. Microsoft integrierte also wieder die Audio-Treiber-Anbindung von Windows NT 4 in Windows Vista, obwohl diese Funktion nur von einer Minderheit der Nutzer benötigt wird.

Und da musste ich erstmal ein wenig mit dem Kopf schütteln.

  • Welchen Grund sollte dieses Callcenter haben auf Windows Vista upzugraden? Wenn man dort schon kein Geld bzw. Aufwand für eine andere Call-Center-Software aufwenden möchte, warum dann für eine Migration auf Windows Vista?
  • Der Support für Hardwarebeschleunigung in DirectSound wurde einfach so gekappt. Wobei der Vergleich von DirectX mit Windows tatsächlich etwas hinkt.

Und nun? Nun kann ich mich immerhin darüber freuen, dass ein nagelneues Windows Vista noch Technologien unterstützt, die schon 1998 nicht mehr offiziell unterstützt wurden. Für mich nicht wirklich dramatisch, aber weniger mutig als ich an sowas persönlich wohl rangehen würde.

Manchmal muss man dem Fortschritt zuliebe wohl auch einiges an Kompatibilität opfern. Zumindest die im Beispiel konkret angeführte Entscheidung, ist in meinen Augen einfach übervorsichtig.

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